Faulenzt du noch oder trackst du schon?

Hab ich euch schon erzählt, dass ich leicht zu haben bin? Nicht so wie ihr jetzt denkt. Ich meine ich bin schnell rumzukriegen. Klingt irgendwie auch nicht besser. Also nochmal kurz und knapp: Ich bin ein Opfer… ein Opfer der Werbung.

Wenn ich irgendwo Werbung für ein neues Produkt sehe, dann frage ich mich spätestens beim dritten Werbeversprechen, was für einen Sinn mein Leben bisher ohne das jeweilige Ding hatte. Bei bunten Sachen ist es noch schlimmer. Da reicht einmal vor die Nase halten und mir erzählen, wie schön er, sie, es doch ist.

Seit einigen Monaten gibt es einen regelrechten Hype in Sachen Fitnesstrackern. Natürlich ist mir das nicht entgangen. Es gibt sie in allen möglichen Farben, Qualitäten und Preisklassen. Einige zählen nur deine Schritte, andere notieren und analysieren auf Wunsch außerdem deine Schlafgewohnheiten sowie dein Essverhalten und deine Kalorienaufnahme und den -verbrauch. Vor Weihnachten verspürte ich das erste Mal dieses Bedürfnis, so ein Teil unbedingt an meinem Handgelenk tragen zu wollen. Mit Hinblick auf die faulen Feiertags-Fressgelage und damit einhergehende erste Enttäuschung konnte ich mir den Kauf zunächst aber verkneifen… bis zu meinem letzten Besuch in einem großen Elektronik-Fachhandel, der die Armbänder in sämtlichen Lieblingsfarben aufgebahrt präsentierte. Der Mann hatte sich schon für mich schlau gemacht und so wusste ich grob, was ich wollte.

Ich übe also nur kurz noch meinen Text: „Ich hätte gern diesen hier in schlichtem schwarz.“ Dann höre ich mich zum Verkäufer sagen: „Den da bitte, in lila, nein türkis, ähm grau.“

10 Minuten später bezahle ich an der Kasse mein neues orangenes Armband und fahre damit nach Hause. Dort lade ich mir die App fürs Handy runter und schon beim Anlegen des Armbands fühle ich, wie der Winterspeck dahin schmilzt. Laut meinen Recherchen sind 6.000 Schritte am Tag wünschenswert, 10.000 sogar gesundheitsfördernd. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht schaffe.

Seitdem hetze ich täglich meinen Zielen hinterher und bin ständig enttäuscht. Da das Armband lediglich Schritte zählt, muss ich jedes Training anderer Art manuell in der App erfassen. Ich finde jedoch nirgends die Trainingsarten Babyschwimmen, Babyschlepp-Marathon, Beckenbodenkurs oder mein geliebtes Kangatraining zur Auswahl. In einer Werbung war doch auch eine Mami mit Baby. Wie hat die das denn gemacht? Die wirkte doch so zufrieden mit ihrem Armband und sah zudem auch voll erholt aus.

Womit wir beim nächsten Thema wären. Aufzeichnen der Schlafgewohnheiten. Endlich kann ich dem Mann zeigen, was hier nachts los ist. Mein halbtoter Bettnachbar fragt mich nämlich jeden Morgen, wie denn die Nacht gewesen sei und ist manchmal verwundert, wenn ich ihm dafür am liebsten ein Kissen ins Gesicht drücken möchte. Aber was ist das denn bitte? Ich schlafe zwischen 7-8 Stunden jede Nacht und bin laut App nur 2x für jeweils 3 Minuten wach gewesen??? Träume ich etwa, dass ich in den letzten Wochen dank Zahnen und Geschniefe fast jede Nacht mehrmals am Bettchen der kleinen Schnotterfee sitze oder bin ich mittlerweile so routiniert, dass mein Puls trotzdem im Schlafmodus bleibt? Blödes Ding….

Zu guter Letzt kann ich mit der App auch meine Essgewohnheiten und Kalorienmenge dokumentieren. Ich gebe zu, bis jetzt konnte ich alle Lebensmittel finden, die ich gesucht habe. Ich bin aber viel zu faul um jeden Bissen zu notieren. Außerdem bekommt das Kind regelmäßig einen kleinen Herzkasper vor Freude, wenn es mein Handy sieht. Natürlich folgt darauf eine bühnenreife Szene vom sterbenden Schwan, sobald das Handy wieder in meiner Tasche verschwindet. Das ist mir ehrlich gesagt viel zu anstrengend.

Fazit nach einem Monat? Wäre ich die Mama, die ich gerne sein würde – diszipliniert, gut organisiert, sportlich, immer fit um Bäume ausreißen zu können – dann wäre der Fitnesstracker genau das Richtige für mich und meinen Tagesplan. Da ich aber bin wie ich bin – etwas schusselig, verplant und manchmal faul – habe ich nun ein nettes Accessoire, das ich aber eigentlich nicht benötige. Nachdem ich an den Einstellungen in der App noch ein wenig gedreht habe, wird mein Wachzustand des nachts nun brav dokumentiert. Ich vergesse allerdings öfter, das Armband auf Schlafmodus zu stellen oder gar es nach dem duschen wieder anzulegen. So sind meine Aufzeichnungen lückenhaft und wenig verwertbar. Wenn am späten Nachmittag zu wenig Lämpchen auf der  Anzeige des Armbands blinken, dann nötige ich mich aber neuerdings zu einem ausgedehnten Spaziergang mit der kleinen Kröte  und beim Sport gebe ich auch mehr Gas als sonst. Immerhin…
Achja, und psssst…. selbstverständlich habe ich mittlerweile bunte Ersatzarmbänder in pink, schiefer und brilliantblau. Keine Ahnung wie das passieren konnte.

 

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