Noch 72 Tage – lauf Mama, lauf

Was habe ich mir nur dabei gedacht?

„Ihre Anmeldung zum LADIES RUN hat uns erreicht“ steht auf dem Zettel vor mir. Es braucht ja immer etwas Druck um mich zu motivieren aber dieses Mal hätte die Investition in einen Croozer auch Motivation genug sein können. Monate lang liege ich dem Mann in den Ohren, dass ich wieder joggen will. Hab ich es einmal abends getan?

Seit einer Woche steht nun sogar das gute gebrauchte Stück in unserem Carport, mit dem ich jeder Zeit sogar samt Kind los sprinten könnte. Es gibt nur ein Problem. Jeden Tag ein anderes aber immer ein gravierendes.

„Der Akku vom Schrittzähler ist alle. Echt blöd, ausgerechnet heute.“

„Vielleicht wasch ich die Stoffteile vom Croozer lieber alle noch einmal, bevor wir ihn das erste Mal testen“

„Oh, eine Wolke. Nicht, dass wir gleich nass werden“

„Schon Donnerstag? Dann fang ich einfach Montag an. Ja, Montag ist super“

Am Wochenende komme ich dann auf die glorreiche Idee mich als Motivation für ein Laufevent anzumelden. Der Mann kann mich in letzter Minute noch dazu überreden, vom Halbmarathon in acht Wochen abzusehen. Stattdessen schlägt er einen Frauenlauf mit moderaten 5 bis 8 Kilometern vor…. Spielverderber!!!

Nagut! Die Anmeldung ist durch. Nun muss ich wohl mal loslegen.

Tag 1 (ja, es ist doch schon wieder Donnerstag):
Ich schwebe quasi mit dem Kind im Jogger über die Straße. Ein herrliches Gefühl, die frische Luft, die Morgensonne und die Zufriedenheit, mit etwas Gutem in den Tag zu starten. Meine geplante Feldstrecke kann ich fast komplett überblicken und ich bin hochmotiviert, elegant bis zum Ende vor mich hinzuschweben. Es sind ja nur 4,5 km.

Doch warum sind die Häuser dahinten immer noch so weit weg? Ich ackere mir hier doch schon seit einer Ewigkeit einen ab. Und müsste mir mein Schrittzähler nicht längst angesagt haben, wie viele Kilometer ich schon gelaufen bin? Ich könnte kurz anhalten und nachsehen ob ich irgendwas falsch eingestellt habe. Müsste auch mal nach dem Kind sehen. Sie ist so ruhig da vorne. Tief durchatmen könnte ich bei der Gelegenheit auch mal wieder, wenn ich eh schon stehe. Doch da ertönt die monotone Stimme aus meinen Kopfhörern.

„Kilometer: einen! Gesamtzeit: unterirdisch!“
(Bin mir sicher, dass sie genau das gesagt hat)

WAAAAAAS, erst ein Kilometer???? Die waren früher definitiv kürzer. Ich bin fassungslos aber immerhin pfeife ich jetzt nicht nur aus dem letzten Loch sondern auch auf meinen Plan, ein Päuschen einzulegen. Und tatsächlich wird es besser. Ich schaffe es bis

„Kilometer: drei! Gesamtzeit: lächerlich!“, 

da höre ich ein leises Fiepen. Wenn das Kind ruft, muss Mama natürlich anhalten. Komisch, die Göre liegt gemütlich schlafend in ihrer Hängematte. Also weiter. Aber da ist es schon wieder. Bin ich…??? Ääähm, nein das kann nicht sein…

„Kilometer: vier! Gesamtzeit: Wage es nicht, vor anderen von joggen zu sprechen“ 

Okay, okay, vielleicht war ich es doch selbst. Die letzten Meter kämpfe ich bis aufs Letzte und bin dankbar, dass mir der Croozer Halt gibt. Das Kind ist zwischenzeitlich entweder von meinem Eiertanz auf den letzten Metern oder von meinem Geschnaufe erwacht und schaut mich befremdlich an, als ich es aus dem Wagen hebe. Ein Blick in den Spiegel verrät mir, wieso. Mein Teint gleicht der Farbe, mit der ich mir als Teenie die Haare getönt habe. FIRE hieß diese. Bis hin zum Mittag könnte man mir noch einen mittelschweren Sonnenbrand unterstellen.

Dem Spielverderber werde ich von diesem Erlebnis selbstverständlich nicht berichten. Aber euch halte ich in den kommenden Wochen auf dem LAUFENDEN. Vielleicht ja schon morgen mit einer neuen Episode „Lauf Mama, lauf“ oder -viel wahrscheinlicher- erst einmal nur mit meinem Gejammer über körperliche Beschwerden nach physischer Anstrengung.

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