Handy kaputt. Oder: Meine Woche als Wilma Feuerstein

Ich hatte diesen Post schon vor längerem begonnen und meine aktuelle Situation schreit einfach danach, ihn endlich einmal fertigzustellen.

Manchmal… wenn ich etwas dummes anstelle -also doch öfter- nennt der Mann mich Goofy. Im letzten Monat habe ich mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und es auch wirklich nicht anders verdient. Ein böser Kratzer an der Felge vom Bulli, eine rote Babysocke in der Weißwäsche und mein iPhone im Klo. Zweimal. Ja, richtig! Ich habe es geschafft mein Telefon im Klo zu versenken. Zweimal. In einem Monat.

Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Die Häme des Umfelds über meine Blödheit  Tollpatschigkeit Ungeschicklichkeit oder mein aktuelles Leben OHNE Smartphone. Jeden Tag entdecke ich wieder einen Grund, warum ich auch gleich zurück in die Steinzeit ziehen könnte, wenn das geliebte Ding nicht bald vom iPhone-Doc wiederbelebt wird.

Uhr
Als ich den Patienten zum Doc gebracht habe und danach noch einen Bummel in der Stadt mache, fehlt mir der Blick auf dir Uhr als erstes. Klar, ich könnte jemanden nach der Zeit fragen oder mich einfach in die Nähe der Rathausuhr begeben. Auf die Idee komme ich aber erst viel später. Stattdessen kaufe ich lieber in regelmäßigen, ca. 30 minütigen Abständen irgendetwas ein, um die Uhrzeit danach auf dem Kassenbon abzulesen. Ein echter GOOFY halt. Wieder zu Hause angekommen muss ich dann auch noch feststellen, dass keine meiner Armbanduhren mehr funktionstüchtig ist. So lange habe ich sie also schon nicht mehr beachtet.

Musik
Unser Tag wird eigentlich immer von Musik begleitet. Sei es die Radio-App oder spotify. Irgendwas sorgt immer für regelmäßiges Headbanging beim Kind und spontanen Tanzeinlagen bei drohender Langeweile. Ich bin kurz schockiert, als ich feststelle, dass wir in der Tat kein Radio mehr besitzen. Alles läuft mit dem Handy über den Verstärker. Ich brauche ungefähr eine Stunde, um einen Radiosender über den TV zu finden. Bis Sendeplatz 949 musste ich mich dafür vorkämpfen. Danach ist es mir auch egal, dass dort den ganzen Tag Oldies laufen und die Nachrichten auf Französisch gesprochen werden.
(Nur nebenbei sei angemerkt, dass ich ohne Musik natürlich auch nicht joggen gehen kann, so gerne ich es auch will.)

Kamera
Dem Papa mal eben ein Selfie von Mama&Kind schicken? Für die Dokumentation der ersten Schritte das Handy im Anschlag bereit halten? Oder spontan das 397. „ach-wie-süß-sie-ist-wenn-sie-schläft“ Bild knipsen? Ständig erwische ich mich dabei, wie ich in meiner Tasche wühle oder die Umgebung nach dem Telefon abscanne, wenn mir das perfekte Motiv in Reichweite erscheint.

Kommunikation
Egal ob whatsapp, Facebook, twitter oder das gute alte Telefonat. Nichts geht mehr „mal eben“. Der Handwerker soll einen Termin mit mir machen und ich überlege stundenlang, wie ich denn nun meine Festnetznummer rausbekommen soll. Gott sei Dank habe ich an dieser Stelle aus meinem ersten Fauxpas gelernt und danach wenigstens mal ein Backup gemacht. Nachdem ich Nummer gefunden und dem Vermieter per Mail mitgeteilt habe, erschrecke ich allerdings, als dieses eingestaubte Ding in der Ecke plötzlich klingelt. Der Ton ist mir völlig fremd.

Einkaufen
Der Mann und ich nutzen schon seit Jahren die App „Bring!“ für unsere Einkaufslisten. Jeder kann die Listen bearbeiten und egal wer einkaufen geht, man hat sie immer parat. Es sei denn, man hat gerade sein Smartphone nicht zur Verfügung. Dann beginnt man plötzlich, Symbole mit einem Holzscheit aus dem Feuer an die Wand zu malen um sich zu erinnern, was man braucht. Oder man nimmt Zettel und Stift, notiert brav alle Zutaten fürs Abendessen und lässt die Liste dann zu Hause liegen. So etwas ist mir mit dem Handy seit dem Abklingen der Schwangerschaftsdemenz nicht mehr passiert.

ABER: Eins muss ich doch zugeben. Jeden Tag, wenn wir draußen unterwegs sind, genieße ich die Zeit ohne mein iPhone sehr. Es sind plötzlich viel mehr Tiere, Nachbarn mit ihren Kindern, Autos und Bagger draußen als sonst. Wir pflücken Blumen am Feldrand und gucken dem Bauern bei der Arbeit zu. Und selbst wenn das Kind im Buggy schläft, erfreue ich mich an der Umgebung. Ich entdecke wie unsere Wohnsiedlung wächst, wer seinen Garten schön gestaltet und auf welchem Grundstück bald der Bautrupp anrückt. Sogar die ersten „zu Verkaufen“ Schilder finde ich. Nur blöd, dass ich nicht SOFORT das Exposee bei immonet suchen kann.

Heute hat der Doc angerufen. Mein Patient hat überlebt, darf morgen besucht werden und vielleicht sogar ohne weitere Behandlung die Klinik verlassen. Mein Geschenk zur Versöhnung: eine wasser- und stoßfeste Hülle, damit ich die Knochen aus dem Haar auch endgültig beiseite legen kann.

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3 Gedanken zu “Handy kaputt. Oder: Meine Woche als Wilma Feuerstein

  1. Hihi, kenne ich!

    Das „Ding“ ist ungeheuer nützlich – gerade wenn man bloggt und unterwegs fotografiert, kommuniziert und postet. Aber es ist auch eine Erleichterung, wenn es mal nicht dabei ist – dann ist nämlich RUHE 🙂

    Viele liebe Grüße

    Küstenmami

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