„Hast du gar keine Panik vor der Geburt?“ Ein (fast) romantischer Geburtsbericht.

Als ich meinen kinderlosen Freundinnen verkündete, dass ich wieder schwanger bin, kam recht schnell die Frage auf, ob ich denn keinen Horror vor der Geburt hätte, nachdem ich ja schon wüsste, welche Schmerzen ich da erleiden würde. Spontan antwortete ich darauf mit einem wahrheitsgemäßen „Nein“. Fast hätte ich angefangen die typischen, ollen Kamellen zu erzählen. Was für eine tolle Erfahrung es doch ist und dass man die Schmerzen sofort vergisst, wenn man das Kind im Arm hält. Ich beließ es dann aber einfach bei dem Nein und schob in einem Nebensatz ein, dass die Smartimaus es uns damals recht einfach gemacht habe.

Seitdem denke ich öfter an diesen Tag zurück, an dem ich diese Erfahrung schon einmal machen durfte…

17.03.2014 – 4.00 Uhr
Ich wache auf und stelle aufgeregt fest, dass da was ist, das ich nicht kenne. Wehen? Endlich? Bitte, lass es endlich Wehen sein. Ich habe keinen Bock mehr aufs Warten, darauf mich nochmal richtig auszuruhen oder darauf, ein letztes Mal Dinge nur zu zweit mit dem Mann zu unternehmen, wie alle weisen Leute klugscheißern empfehlen.

Um 7 Uhr verabschiede ich den Mann, der trotz einer Stunde Fahrtzeit erst einmal zur Arbeit fährt (Von unserer Gelassenheit in diesen ersten Stunden bin ich übrigens bis heute schwer beeindruckt). Um 9 Uhr fahre ich samt meinen Wehen in die Praxis zum eh anstehenden Routinecheck. Und siehe da, das CTG gibt mir Recht – ich könnte heulen vor Freude.

Gegen Mittag rufe ich dann doch den Mann an und bitte ihn langsam mal seinen Schreibtisch zu räumen und nach Hause zu kommen. Ich mag nicht mehr alleine sein. Als er ankommt, ist alles ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben. Wir sind immer noch ruhig aber verliebt & voller Vorfreude, machen Witze und werden ganz langsam aufgeregt. Von Angst keine Spur, es ist mehr ein Kribbeln wie vor dem ersten Date. DEM Blind Date mit unserer Tochter!

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Bis in die Abendstunden gehen wir spazieren, kuscheln, gehen wieder spazieren und versuchen trotz der Aufregung sogar noch zusammen zu essen. Nach dem Abendbrot wollen wir es dann aber doch wissen und fahren ins Krankenhaus. Schon auf dem Weg dorthin sage ich dem Mann, dass ich keine Wehen mehr habe. Die Hebamme bestätigt das kurz darauf und lässt uns entscheiden, ob wir bleiben oder wieder nach Hause wollen.

Auf meine etwas scherzhafte Frage, ob das Baby wohl Lampenfiber bekommen habe, antwortet die Hebamme nur gelassen: „Das Baby nicht. Aber die werdende Mami ja vielleicht.“

Wir fahren enttäuscht zurück. Ich bin wütend und frustriert. Doofes Baby… Dem Mann befehle ich schlafen zu gehen und entscheide mich selbst für eine Dusche.

Zehn Minuten später brülle ich lauthals nach ihm!!! Ich habe plötzlich solche Schmerzen, dass ich mich nicht mal mehr alleine anziehen kann. Ich werde panisch, weil es keine Pausen gibt und bin überzeugt, das Kind käme sofort in unserem Badezimmer zur Welt. Anderenfalls würde ich dieses Leiden keinesfalls mehrere Stunden aushalten. Wir schaffen es dann doch ins Krankenhaus und nach einem Schmerzmittel werden aus dem anhaltenden Krämpfen wieder Wehen mit regelmäßigen, wenn auch mit deutlich kürzeren Pausen. Ich vergesse alles um mich herum. Der Mann muss mich in den Pausen immer wieder darauf hinweisen, mal kurz zu entspannen, das Bett oder ihn loszulassen und mich einfach fallen zu lassen. Da ich seit 4 Uhr wach bin, schlafe ich in den 3-4 min Pausen tatsächlich ab und zu fast ein.

Keine vier Stunden nach der Ankunft im Krankenhaus kommt die Hebamme zusammen mit einer Ärztin ins Zimmer. Der Mann erinnert mich daran, dass das ein Zeichen dafür ist, dass es nun bald geschafft ist. Der Versuch vom Geburtshocker wieder ins Bett umzuziehen wird abgebrochen, weil plötzlich alles ganz schnell geht. Der Mann muss also bis zum Ende als Rückenstütze dienen und in seinen Armen liegend bringe ich kurz darauf unsere kleine, wunderbare und gesunde Tochter zur Welt. 

Ein magischer Moment, der uns zur Familie macht. Zu mamAhoi und papAhoi.

Und soll ich euch was sagen? Ja, ich freue mich irgendwie darauf, dass ich das bald noch einmal miterleben darf. Trotz Schmerzen, trotz Muskelkater in den darauf folgenden Tagen und auch trotz der Wahrscheinlichkeit, dass es ein zweites mal auch weniger problemlos und entspannt ablaufen könnte.

Habt ihr auch so viele positive Erinnerungen an die Geburt eurer Kinder? Vielleicht sogar trotz Komplikationen? Oder vernebeln meine Hormone mir gerade die Sinne und so etwas wie eine „schöne Geburt“ gibt es in euren Augen gar nicht? Steht euch „das erste Mal“ vielleicht noch bevor? Wie fühlt ihr euch dann bei dem Gedanken an die Geburt? Ich bin wirklich sehr gespannt auf eure Meinungen und eigenen Erfahrungen.

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16 Gedanken zu “„Hast du gar keine Panik vor der Geburt?“ Ein (fast) romantischer Geburtsbericht.

  1. Hallo Kerstin
    Was für ein wunderschöner Geburtsbericht.
    Ich habe beide Geburten anders wie du erlebt, doch ist es jedes Mal magisch daran zurück zu denken. Darüber nach zu denken, was der eigene Körper da eigentlich geschafft hat.
    Ich habe für mich nur beschlossen, dass ich das nächste Mal nicht ins Krankenhaus gehe. Ich möchte eine Hebamme direkt bei mir, die mich ernst nimmt und mir und meinem Körper vertraut. Und so eine Hausgeburt stelle ich mir auch sehr romantisch vor.

    Liebe Grüße Melanie

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    • Gut zu lesen, dass es auch nach anderen Erfahrungen eine schöne und magische Erinnerung ist. Ich habe über eine Hausgeburt zwar noch nie nachgedacht aber unter bestimmten Umständen und mit der richtigen Hebamme an der Seite, ist dies mit Sicherheit nochmal eine ganz andere Erfahrung, so in der eigenen, vertrauten Umgebung.

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  2. Wow! Respekt für eure Gelassenheit damals. Ich war da ja ganz anders 😀

    Auch wenn das Minikröhnchen es mir nicht ganz so leicht gemacht hat, war die Geburt gut denke ich. Da gibt es sicher längere und schmerzvollere Wege. Ich bin froh, dass ich spontan entbinden konnte, das war das was ich unbedingt wollte. Und auch wenn die Schmerzen nicht ganz vergessen sind, ein zweites Mal würde ich das schon noch mitmachen 🙂

    Liebe Grüße
    Sarah

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  3. Ein toller Bericht, der Mut macht 😉 Mein „erstes Mal“ steht im März an und ich bin da etwas zwiegespalten. Zum einen hab ich schon von vielen anstrengenden Geburten gehört, zum anderen hab ich aber auch schon wahnsinnig viele positive Berichte gelesen.
    Ich lass das einfach mal auf mich zukommen, denn ändern kann ich ja eh nicht viel. Aktuell bin ich noch recht entspannt – schauen wir mal, wie lang das noch anhält 😉
    LG, Katja

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    • Ja, aussuchen kann man es sich leider wirklich nicht. Aber ich glaube, dass die Einstellung mit der man an die Sache heran geht einiges ausmacht. Vielleicht hätten andere 24 Stunden Wehen als Katastrophe empfunden. Ich fand es ok, weil wir die meiste Zeit davon noch zu Hause waren und es uns so angenehm wie möglich gemacht haben. Ich hoffe, es wird genauso, wie du es dir wünscht und du kannst es danach als positive Erfahrung verbuchen!

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  4. Ach wie ist es doch schön, dass sich unsere Schätze einfach ankünden wann sie wollen und wie sie wollen! ich hatte zwei wunderbare Geburten; streng, intensiv, irgendwo zwischen diesseits und jenseits und unendlich dankbar gesunde Kinder empfangen zu dürfen. Es dauerte bei der ersten Geburt 4.5h und bei der Zweiten 1.5h…

    Alles Gute für deine anstehendw Geburt 😊

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