Ich habe etwas Dummes getan. Unser Windelfrei-Drama in drei Akten.

Ich habe lange überlegt, ob es wohl eine gute Idee ist darüber zu schreiben, was für einen wirklich dummen Fehler ich vor einigen Monaten begangen habe. Warum sollte das jemand lesen wollen, wenn ich mir selbst Vorwürfe mache? Was haben andere denn davon? Und überhaupt. Wie blöd stünde ich denn bitte da? Doch nach langem überlegen denke ich nun: Warum eigentlich nicht? Immerhin können andere vielleicht etwas aus meinem Fehler lernen.

Aber fangen wir ganz von vorne an.

Im August standen papAhoi und ich vor der Frage, ob die Smartimaus wohl für die Welt der großen Mädchen bereit ist. Der Mädchen, die Schlüppis tragen anstelle von Windeln. Dabei haben wir selbst die Frage überhaupt nicht in den Raum geworfen. Aus dem Kindergarten kamen mehrfach Bemerkungen und der Tipp, wir sollten es mal windelfrei probieren. Seit einiger Zeit gab es dort schon Probleme beim Wickeln. Die Smartimaus wollte dies partout nicht mehr mitmachen. Nach drei Wochen Strandurlaub gab es auch bei uns kurze Zeit ein wenig Protest, dieser legte sich zu Hause jedoch bald wieder. Mal aufs Töpfchen oder die Toilette gehen, fand die Startimaus bis dahin zwar ganz witzig, mehr aber auch nicht. Weder mit noch ohne Windel hatte ich von zu diesem Zeitpunkt mal erlebt, dass sie Bescheid sagte, wenn sie mal musste.

Ich habe mir immer vorgenommen, bei diesem Thema abzuwarten, bis die Smartimaus von sich aus auf die Windel verzichten möchte. Dies war eins der wenigen Themen, bei denen ich die Ruhe weg und keinerlei Erwartungshaltung hatte. Trotzdem ließ ich mich verunsichern, als Erzieher mit langjähriger Berufserfahrung mir nun konkret dazu rieten, die Windel tagsüber einfach wegzulassen. Ich habe erstmal andere Mütter aus der Kita befragt, mich dann mit meiner Schwester beratschlagt und obwohl mein Bauchgefühl sich danach immer noch wehrte, habe ich den Ratschlag der Erzieher befolgt. Fragt mich nicht warum.

Zwölf Wochen ist dies nun her. Unsere Waschmaschine schrie aufgrund der viele Überstunden in den ersten acht Wochen nach einer Gehaltserhöhung und es gab bis vor kurzem noch Tage, an denen ich mit den Nerven echt am Ende war. Nur wegen diesem Thema.

Part I
In den ersten zwei Wochen sehen wir die Sache auch noch ganz locker. Wir loben, wenn es klappt, ärgern uns nicht, wenn es in die Hose geht und hoffen darauf, dass die Erzieher schon Recht behalten. So richtig überzeugt sind wir aber beide nicht. Dem Kind scheint das ganze Thema nämlich ziemlich egal zu sein. Ob Mama nun die Windeln tauscht oder die Unterbüx ist doch Wurscht, oder? Ich werde irgendwann wütend und kann im Nachhinein nur hoffen, dass dies niemals bei de Smartimaus angekommen ist. Denn wütend bin ich ja eigentlich nie auf das Kind, sondern auf mich. Ich bin ja die Doofe, die nicht auf ihr Bauchgefühl hört. Als ich gerade beschließe, das „Experiment“ abzubrechen, werde ich aber wieder bestärkt, weiterzumachen. Es würde bestimmt nicht lange dauern, bis der Erfolg sich einstellte. Ein Rückschritt allerdings würde das Kind nun zu sehr verwirren.

Part II
Es folgen also weitere Wochen, in denen sich gute und schlechte Tage gerade mal die Waage halten. Hinzu kommt, dass es beim großen Geschäft zunehmend dramatisch zugeht. Es wird viel gejammert & geweint, von einem Bein aufs andere getanzt und schließlich auch verweigert aufs Klo zu gehen. Nur mit Händchen halten, Umarmungen und sehr viel gutem Zureden gelingt es uns, dieses Akt immer wieder gemeinsam durchzustehen. Und das auch nur zu Hause. Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass sie mehr als Pipi auf irgendeiner anderen Toilette macht. Auch nicht im Kindergarten. Erst gibt es dort also ein Drama beim Windeln wechseln, nun auch beim ‚auf die Toilette gehen‘. Die Erinnerungen an mein Bauchgefühl zu Beginn unserer Aktion kommen immer wieder zurück und in meinem Kopf kreist irgendwann nur noch ein Gedanke: „WAS FÜR EIN DUMMER FEHLER! UND NUN?“

Zurück zu Windeln kommt zu diesem Zeitpunkt auch für mein Bauchgefühl nicht mehr in Frage. Die Smartimaus möchte nun keine mehr und den Wunsch respektiere ich. Da ich allein mir selbst diesen ganzen Schlamassel zuschreibe, muss ich da nun gemeinsam mit dem Kind durch und mich in Geduld üben. So anstrengend, herzzerreißend aber auch nervig das alles für mich auch ist: Ich versuche, mir das vor der Smartimaus nicht anmerken zu lassen. Leider gelingt mir das nicht immer zu 100%. Ich weine schonmal mit, wenn ich mein Kind so leiden sehe oder fluche leise über mich und meine Entscheidung.

Part III
Nun, in Woche zwölf, habe ich so langsam das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Es gibt kaum noch Unfälle und das Drama lässt, zumindest zu Hause, wieder nach. Wir freuen uns gemeinsam, wenn wir ohne weinen von der Toilette zurückkehren und besiegeln jeden Erfolg mit einem High5. Eine Lösung für den Kindergarten oder unterwegs haben wir bisher jedoch noch nicht gefunden. Es wird wohl weiterhin nur in kleinen Schritten vorangehen.

Ich ärgere mich wirklich sehr darüber, dass ich bei diesem wichtigen Thema anderen mehr vertraut habe als mir selbst. Ich kenne mein Kind doch am besten und egal wieviel Berufserfahrung jemand haben mag oder wie sehr ich seine Ratschläge sonst auch wertschätzte. Am Ende ist es doch wichtiger, dass wir mit unseren Entscheidungen gut zurecht kommen. Egal in welchen Angelegenheiten. Ich hoffe, dies nehme ich mir zukünftig öfter zu Herzen.

Zwei tolle und vor allem positive Artikel zu diesem Thema findet ihr übrigens bei familieberlin und der Super Mom. Genau so würde ich es mir fürs nächste Kind wünschen.

11 Gedanken zu “Ich habe etwas Dummes getan. Unser Windelfrei-Drama in drei Akten.

  1. Sei nicht so hart zu dir! Ich finde es besonders schwer, wenn ein „Experte“ es dir rät, standhaft zu bleiben! Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft und hoffe dass ihr das Thema bald bewältigt habt!
    Liebe Grüße
    Katja

    Gefällt 1 Person

  2. Das hört sich wirklich dramatisch und, aber ich kann es verstehen. Wir lassen uns oft verunsichern, wenige Mamas haben den A*** in der Hose und hören NUR auf ihr Bauchgefühl. Aber ihr schafft das zusammen und ich finde es toll, dass du das nun durchstehst und gemeinsam mit deinem Kind da durch gehst. Noch toller finde ich aber ehrlich, dass du dir einen Fehler öffentlich eingestehst. Hut ab!

    Gefällt 1 Person

    • Danke! Es war wirklich einfacher als ich falsche Entscheidungen „nur“ selbst ausbaden musste. Wenn das eigene Kind darunter mitleidet, trifft es einen natürlich besonders hart. Vielleicht bleibt anderen das ja erspart, wenn sie mehr aufs Bauchgefühl hören.

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  3. Ich denke, jede Mama kennt das: ein „guter“ Ratschlag von den Erziehern oder der eigenen Mama etc. und man schiebt sein sonst so zuverlässiges Bauchgefühl beiseite. Mach dich nicht verrückt deswegen!
    Vielleicht wären ja Trainerhöschen etwas für euch? Das sind quasi Unterhosen, mit einem saugenden Kern. Sie ersetzen keine Windel, verhindern aber, dass das Kind in der Öffentlichkeit mit nasser Hose da stehen muss, wenn es einmal nicht schnell genug ging. Und das Kind merkt aber trotzdem, wenn etwas daneben ging. Vielleicht reduziert das ja eure Wäscheberge? 😉

    LG und alles Gute weiterhin!
    Juli

    Gefällt 2 Personen

    • Die Höschen benutzen wir nachts. Ansonsten konnte ich sie tagsüber nur dazu überreden, als sie krank war.
      Das „nicht verrückt machen“ klappt langsam auch besser und ich hab das Gefühl, damit wird es insgesamt auch wieder entspannter.

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  4. Wie alt ist denn die Kleine? Jedes Kind tickt da anders und bei uns hat mir ständig die Schwiegermutter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Habe ich mit windelfrei begonnen, hat sie wieder eine dran gemacht. Durch unsere Jobs ist der Kleine leider oft bei Oma und dann macht sie eben was sie will. Sag ich da was hat sie ja die Erfahrung und Blabla. Jedenfalls hat es aus diesem Grund bis 3 1/2 gedauert!
    Besuch‘ mich doch auch mal auf meiner Seite!
    xoxo & liebste Grüße 💙
    Sina von https://CasaSelvanegra.com

    Gefällt 1 Person

    • Wir haben mit 2 1/2 angefangen. Ich hoffe wir finden eine Lösung, die vor allem für die Kleine halbwegs entspannt ist.
      Wenn die Großeltern das nicht respektieren, ist das echt blöd. Vor allem, wenns um solche Themen geht. Das hätte bei uns sicher richtig Stress gegeben mit der Zeit.

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  5. Hi, also wir haben uns für unser Kind ein Wochenende intensiv Zeit genommen von Freitag bis Montag und es hat geklappt. Es ist wichtig, sich genau auf das und nichts anderes zu konzentrieren. Wir haben es außerdem mit System gemacht, das funktioniert super und unsere Tochter hat mit Freude aufgehört. Das mal zu unserer Erfahrung 🙂 Du kannst Dir mal das hier anschauen fürs nächste Kind: http://www.toepfchen-training.de … Damit hat es bei uns geklappt 🙂

    Liebe Grüße, Kopf Hoch!

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    • Schön, dass es bei euch so gut geklappt hat. Dann war es für euer Kind mit Sicherheit auch der richtige Zeitpunkt. Das Zeit nehmen und wissen, wie man es angehen sollte, war bei uns gar nicht das Problem. Wenn das Kind aber noch gar nicht bereits dazu ist, dann bringt das ja alles nicht viel. Ich bin froh, dass es langsam besser wird.

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