Spaß, Langeweile, Frust und ein rasantes Ende – So war die Geburt von Karli

Am Morgen rolle ich noch mit den Augen, weil papAhoi mich nicht allein zur Babymesse fahren lassen will. Termin ist in einer Woche, die Smartimaus kam auch eine Woche zu spät. Also halte ich seine Sorgen für völlig übertrieben. Aber nagut, dann machen wir eben einen Familienausflug nach Hamburg. Immer wieder betrachte ich an diesem Tag meinen Bauch und denke, dass er irgendwie anders aussieht. Ich werde auch öfter auf meine Riesenkugel angesprochen. Wir genießen einen schönen gemeinsamen Tag, ich verteile ein paar Visitenkarten und auf dem Rückweg sage ich nur: „Siehste, total unbegründet deine Sorgen.“ Zu Hause bringe ich die Smartimaus auch gleich ins Bett.

Der Abend ist entspannt, ich bastel an meinem monatlichen Gastbeitrag und werde dabei nur ab und zu mal von ein paar Übungswehen abgelenkt. Was ich zunächst nicht bemerke: PapAhoi macht immer wieder die Stoppuhr an und irgendwann fragt er mich, ob ich wirklich glaube, es seien nur Übungswehen, die da regelmäßig und immerhin schon alle 6-7 Minuten kommen. Er würde lieber mal ins Krankenhaus fahren. Ich lache ihn aus und sage ihm entschlossen, dass unser Kind auf keinen Fall heute kommt.

Geburtsbericht, Geburt, Entbindung

Eine halbe Stunde später besteht er jedoch darauf, den Opa anzurufen, damit der auf Smarti aufpasst. Zum zweiten Mal an diesem Tag rolle ich mit den Augen. Da Opa nicht ans Telefon geht, will ich ins Bett, aber papAhoi hat schon für einen anderen Babysitter gesorgt. Als der bei uns eintrifft, denke ich nur: ‚Wie peinlich, dass der jetzt extra so spät abends antanzen muss, nur weil papAhoi Panik schiebt.‘ Auf der Fahrt ins Krankenhaus muss er schwören, dass er meine Tasche gefälligst im Auto lässt, damit wir nicht wie panische Erstlingseltern (Entschuldigung für diese Formulierung) da auftauchen, obwohl ja gar nicht los ist. SCHLIESSLICH KOMMT DAS KIND JA NOCH NICHT!!!

Kurz darauf wird das CTG angeschlossen, ich werde untersucht und die Hebamme meint, wir sollten mal ruhig dableiben. Nun sind es also schon zwei Leute, die glauben, dass wir jetzt unser Baby bekommen. Ich hingegen bin immer noch skeptisch. Kaum hat die Hebamme allerdings den Raum verlassen, platzt die Fruchtblase und ich stehe mitten in einer Pfütze. Naguuuuut. Dann stimmt es ja vielleicht halt doch. Ich bitte papAhoi, dann jetzt doch die Tasche aus dem Auto zu holen, doch der zeigt nur in eine Ecke des Zimmers. Da steht sie schon. Tzzzzz…..

Wir ziehen um in den Kreissaal. Die Wehen kommen nun schon alle 4-5 Minuten, fallen aber noch immer in die Kategorie „Spaß-Wehen“. Kurz aufhören zu reden, stehen bleiben, etwas atmen, weiter quatschen. Wir machen noch Witze, und ein paar lustige Fotos. Die Vorfreude steigt. Wir werden hier also mit unserem Baby wieder heraus marschieren.

Es ist schon weit nach Mitternacht. Sämtliche Shops im Krankenhaus haben zu und lediglich eine Zeitschrift liegt dort rum. Unsere Handys haben beide kaum noch Akku und so kommt nach ein wenig Planung für die nächsten Tage recht schnell Langeweile auf. Dem Baby scheint es ähnlich zu gehen, denn die Wehen werden wieder schwächer. Gegen 4 Uhr kommt die Hebamme, macht das CTG aus, untersucht mich kurz, deckt mich dann zu und sagt, wir sollen uns doch einfach ein wenig ausruhen, bis es weitergeht. Der Muttermund sei erst bei 5-6 cm. Ich bin total gefrustet. ICH WILL JETZT DIESES BABY HABEN! Schlafen kann ich nicht, ich horche stattdessen ständig in mich hinein und warte darauf, dass die Wehen endlich wieder stärker werden.

Um 5.30 Uhr spüre ich plötzlich einen heftigen Schmerz, der mich laut werden lässt. PapAhoi grinst mich an und sagt nur: „Ja, das ist meine Kerstin. Jetzt geht es los.“ Und wieder hat er recht. Die Wehen kommen ab sofort alle 3 Minuten und mit Spaß hat das Ganze nun nichts mehr zu tun. Nach 20 Minuten bitte ich ihn, die Hebamme endlich mal wieder zu uns holen. Ich denke nur daran, dass ich diese Schmerzen kaum noch mehrere Stunden ertragen kann. Die Hebamme kommt, untersucht mich und bleibt. Sie sagt, ich dürfe jetzt mal loslegen mit dem pressen, wenn ich wolle. Das Baby wäre jetzt soweit. Drei Wehen später ist es auch schon geschafft.

Auf mir liegt ein kleines, verschmiertes Bündel und guckt mich mit großen Augen an. Ich bin auf der Stelle hoffnungslos verliebt.

Unseren Plan, ein paar Stunden nach der Geburt nach Hause zu gehen, können wir trotz der unkomplizierten Geburt leider nicht verfolgen. Ich habe etwas viel Blut verloren und der Kreislauf ist daher schlapp. Wir tanken also eine Nacht Kraft und bleiben zur Beobachtung, bevor wir am nächsten Morgen bei uns zu Hause den Kuschelmarathon zu viert starten.

9 Gedanken zu “Spaß, Langeweile, Frust und ein rasantes Ende – So war die Geburt von Karli

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